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Carlo Pellegrino

Via del Fante 39, 91025, Marsala, I

Ganz im Westen Siziliens befindet sich die Stadt Marsala in der Provinz Trapani. Die Hafenstadt war die Namenspatin des gleichnamigen Likörweins, dessen Ursprung ebenfalls hier zu suchen ist. Der Name Marsala geht auf die Araber zurück, die die Stadt Marsah-el-Allah nannten, was übersetzt so viel wie Hafen oder Tor Gottes heißt. Die Entfernung zum nordafrikanischen Festland ist auch denkbar klein, nur 145km trennt Sizilien von Tunesien. Im späten 18. Jahrhundert kam der englische Kaufmann und Weinexperte John Woodhouse auf die Insel und entdeckte den süßen Wein, der traditionell auf der Insel hergestellt wurde. Er hatte schon Erfahrungen mit Süßweinen aus Portugal und Spanien gesammelt, und er glaubte an den Exporterfolg des Marsala. Ab 1773 exportierte er Marsala nach Großbritannien. Zur besseren Haltbarkeit auf der langen Schiffspassage fügte er jedem 500 Liter Fass Wein acht Liter Weingeist hinzu, der Likörwein Marsala war geboren. Die napoleonische Kontinentalsperre verhalf dem süßen Wein aus Italien um 1807 herum zu einem Aufschwung, da Portweine und Sherry kaum mehr nach England importiert werden konnten. Danach begann allerdings der Niedergang des Produktes, denn durch die riesige Nachfrage kam es zu Produktionsengpässen aus Sizilien. Dadurch gelangten auch viele unsauber verarbeitete oder aromatisierte Marsalas auf den Markt. Erst viel später, als 1984 eine neue DOC-Richtlinie in Kraft trat, wurde dieser Praxis ein Ende gesetzt. Paolo Pellegrino fing 1880 in der Cantina Cardilla mitten in Marsala an, seinen Likörwein herzustellen. Sein Sohn Carlo, der wie sein Vater als Notar und Winzer tätig war, übernahm das Geschäft mit seiner Frau Josephine Despagne, einer Winzertochter aus dem Sauternes, Frankreich. Sie brachte auch neue Impulse im Bereich Weinbereitung mit in das Unternehmen. Seitdem wird die Cantine immer entweder von einem Familienmitglied mütterlicher – oder väterlicherseits geführt. Heute haben die fünfte und die sechste Generation der Nachkommen die Zügel in der Hand, auf drei Weingütern bewirtschaften sie über 300 Hektar Rebfläche. Mittlerweile hat sich allerdings der Produktionsschwerpunkt deutlich in Richtung Stillwein verschoben.

Hier herrschen die Sorten Nero d‘Avola, Syrah, Merlot und Grillo vor. Die süßen Weine sowie die Dessertweine werden häufig aus Moscato, Zibibbo und Malvasia gekeltert. Den Löwenanteil an der Weinsparte der Cantina Pellegrino hat der Passito. Er wird, ähnlich wie der Amarone, aus getrocknetem, halb rosiniertem Lesegut gepresst. In diesem Bereich wurden auch größere Investitionen getätigt, um das Unternehmen gut für die Zukunft aufzustellen. So hat die Familie 1992 ein Weingut auf der Insel Pantelleria gekauft, die etwa 100km südwestlich von Sizilien mitten im Meer liegt. Ebenfalls hier werden 50% der gesamten Inselproduktion des Zibibbo zu Süßwein verarbeitet. Die Tradition rund um den Marsala wird aber weiterhin gepflegt. Das kleine sizilianische Imperium der Pellegrinos umfasst auch die "Ouverture", ein todschickes Touristenzentrum nahe dem Küstenstreifen von Marsala. Hier kann man alles rund um den Marsala lernen, außerdem gibt es noch ein Restaurant und Konferenzräume. Außerdem betreibt die Familie die „Pellegrino Türme“ zwei umgebaute Silos, die Tagungsräume, eine Verkostungszone und ein Restaurant mit einem tollen Ausblick beherbergen. Ihren Marsala bieten die Pellegrinos in den Farben Oro, Ambra und Rubino an, sowie in jeder Kategorie in den Süßungsgraden secco, semi-secco und dolce. Es gibt drei Varianten, in denen Marsala angeboten wird: der „Fine“ muss mindestens 17% Alkohol ausweisen und mindestens ein Jahr gereift sein. Der "Superiore" braucht einen Mindestalkoholgehalt von 18% und hat eine Fassreife von mindestens zwei Jahren, als Riserva mindestens vier Jahre. Der "Vergine" oder "Soleras" ist der einzige Marsala, der nicht aufgespritet und nicht gesüßt wird. Er reift in der Regel zwischen fünf und zehn Jahren und muss einen Mindestalkoholgehalt von 18% ausweisen. Die klassischen Rebsorten für die Marsala-Herstellung sind die weißen Rebsorten Catarratto Bianco comune, Damaschino, Grillo und Inzolia, im roten Bereich Nerello Mascalese, Nero d'Avola und Perricone. Merum 05/2013: *Das 1880 von Paolo Pellegrino gegründete Weinhaus steht zwar in erster Linie für Marsala, doch nur 15 Prozent des Gesamtumsatzes stammen heute tatsächlich noch aus der Marsala-Produktion. Export-Manager Massimo Bellina sagt mit einem Hauch von Resignation: "Der Marsala repräsentiert unsere Geschichte, aber die Firma lebt inzwischen von Rot- und Weißweinen, vom Passito di Pantelleria und anderen Süßweinen." Von 7,5 Millionen abgefüllten Flaschen sind nur noch eine Million Flaschen Masala und davon der Großteil von einfacher Qualität, die vorwiegend zum Kochen verwendet wird. Auch die Werbeausgaben konzentrieren sich auf andere Weine, so vor allem auf den Passito di Pantelleria. Massimo Bellina: "Hätten wir nicht in den Pantelleria investiert, wäre die Traubenbauern letztes Jahr aufgeschmissen gewesen, denn wir haben mit Abstand mehr Trauben gekauft, als wir eigentlich benötigen. Rund 75 Prozent aller Trauben der Insel haben wir gekauft, aber wir fühlen uns mitverantwortlich für das Schicksal von Pantelleria. Diese Weinberge müssen erhalten bleiben, und wir tragen unseren Teil dazu bei. [...]"*

  • gegründet:
    1880
  • bewirtschaftete Fläche:
    300ha
  • Besitzer:
    Familie Pellegrino
  • Webseite
    www.carlopellegrino.it/index_eng.html