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Weingut Robert Weil

Mühlberg 5, 65399, Kiedrich/Rheingau, D

Beinahe seit Anbeginn des Weinbaus in Deutschland, spielt das Rheingau eine bedeutende Rolle. Auch international tranken Geistliche und Adelige den Rheingauer Wein. So ließ Graf Phillip von Katzenelnbogen-Diez seinen Amtsmann als Entlohnung zwischen Rheingauer Wein oder Bergsträßer Wein wählen, und dies im Jahre 1475. Auch hier spielten die Klöster eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Weinbaus. Sehr bekannt ist heute immer noch das Kloster Erbach bei Eltville am Rhein. Das Anfang des 19. Jahrhunderts säkularisierte Kloster ist heute mit seinen Rebflächen in den Hessischen Staatsweingütern aufgegangen. Das Weinbau eine enorme Rolle in der Entwicklung des Rheingaus, und insbesondere dem östlichen Rheingau gespielt hat, zeigt auch die Gründung der 1872 als „Königliche Lehranstalt für Obst-und Weinbau“ gegründeten Hochschule Geisenheim University, in der heute immer noch Weinbau gelehrt wird. Die Studenten profitieren sicherlich von der anregenden weinbaulich geprägten Landschaft, die auch einige Weingüter und Lagen von internationalem Rang beheimatet. Eines davon ist das Weingut Robert Weil das, bekannt für seine Rieslinge und Süßweine, ein Leitstern am deutschen Weinfirmament ist. 1875 gegründet, wird das Gut heute von Wilhelm Weil in der vierten Generation geleitet. Der Gründer des Weingutes, Dr. Robert Weil, kaufte die ersten Weinberge im Kiedricher Berg 1867. Damals noch als Professor für Deutsch an der Pariser Sorbonne tätig, musste er im Vorfeld des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 Frankreich verlassen. Er ließ sich in Kiedrich nieder und erweiterte neben seiner Tätigkeit als Journalist das Weingut mit besten Weinbergspartien im Kiedricher Berg. Die klare Philosophie absoluten Qualitätsweinbaus, Vision und mutiges Investieren waren die Voraussetzungen dafür, dass sich das Weingut rasch entwickelte und bald schon seine Weine auch international gefeiert wurden. So wurden die Spät- und Auslesen aus dem Hause Dr. Robert Weil an viele Kaiser- und Königshäuser Europas geliefert als weiße Pendants zu den großen Weinen des Bordeaux.

Heute wächst in den Weinbergen des Weingutes (75 ha) zu 99% Riesling, ergänzt durch 1% Pinot Noir. Der konsequente Anbau der Rebsorte Riesling, eine streng qualitätsorientierte und ertragsmindernde Arbeit im Weinberg, selektive Handlese und ein äußerst schonender Weinausbau im Keller sind die Garanten für die Erzeugung individueller und großer Weine. Dank dieses konsequenten Qualitätsmanagements konnten mit dem Jahrgang 2010 im nunmehr zweiundzwanzigsten Jahr in einer weltweit einmaligen ununterbrochenen Folge der Jahrgänge auf Weingut Robert Weil alle Prädikate bis zum Eiswein und zur Trockenbeerenauslese eingebracht werden. Seit 1907 ist das Weingut Robert Weil Mitglied der VdP, der Vereinigung deutscher Prädikatsweingüter. Ein signifikantes Merkmal sind die Tiffany-blauen Etiketten des Weingutes, an denen auch die japanischen Investoren von Beam-Suntory nichts verändert haben. Überhaupt macht das der heutige Besitzer Wilhelm Weil in bester Manier das, was auch seine Vorfahren schon immer gemacht haben: besonderen Riesling. Gerhard Eichelmann Deutschlands Weine 2020 *Gegründet wurde das Weingut von Robert Weil, der 1867 die ersten Weinberge im Kiedricher Berg kaufte und 1875 mit dem Erwerb eines Anwesens in Kiedrich das Weingut gegründete, das auch heute noch seinen Namen trägt. Seit 1987 wird es in vierter Generation von Wilhelm Weil geführt, der in Keller und Weinberge investierte. Die Weinberge liegen in Kiedrich, wo Wilhelm Weil sich in den letzten Jahren verstärkt in den „Berglagen“ engagierte. Das Weingut besitzt seit langem den größten Teil des Kiedricher Gräfenberg, der Paradelage des Betriebes. Der Kiedricher Turmberg gehört dem Weingut im Alleinbesitz. Diese Lage, die früher Spitzenweine hervorbrachte, wurde im Zuge des 1971er Weingesetzes abgeschafft, doch sie erbrachte in den Jahrzehnten zuvor Spitzenweine, seit 2005 gibt es nun wieder Turmberg-Rieslinge, die Lage wurde offiziell in die Lagenrolle eingetragen – als erste neue Lage im Rheingau seit Verabschiedung des Deutschen Weingesetztes. Mit dem Jahrgang 2007 kam ein weiterer Lagenwein hinzu, derjenige aus dem Klosterberg, der höchstgelegenen Kiedricher Einzellage. Das Weingut baut zu 100 Prozent Riesling an. In diesen Berglagen reifen die Weine sehr lange am Stock, sie werden meist drei bis vier Wochen später geerntet als in den direkt am Rhein gelegenen flacheren Lagen. Nach etwa achtzehnstündiger Sedimentation werden die Moster recht zügig vergoren und mit nur einer Filtration relativ früh gefüllt. Das trockene Segment ist gegliedert in Gutsriesling, Kiedricher Riesling, die beiden Lagenrieslinge aus Turmberg und Klosterberg (beide als Erste Lagen klassifiziert) sowie das Große Gewächs aus dem Gräfenberg. Mit edelsüßen Weinen hat Wilhelm Weil dem Weingut in den neunziger Jahren zu weltweitem Renomee verholfen. Fast in jedem Jahr wird eine Vielzahl an edelsüßen Rieslingen bis hin zur Trockenbeerenauslese erzeugt, aus dem Gräfenberg, aber auch aus dem Turmberg. 2015 wurde der mitten in Kiedrich gelegene Keller erweitert und modernisiert. Kollektion Ein erstklassiger Literriesling eröffnet die Sammlung klassischer Rheingaucharaktere. Der Gutsriesling schließt nahtlos an, ist subtil und kraftvoll. Stoffig und nachhaltig, ist der Kiedricher Ortswein ein erstes Highlight. Der Riesling Klosterberg folgt fein, sein milder Fruchtkern wirkt saftig und mild, er besitzt mehr als ausreichend Biss und Stoff, um zu reifen. Dass der Turmberg eigentlich ein Grand Cru ist, beweist er auch in diesem Jahr: Beeindruckend dicht, würzig, reif, zugleich subtil und rasant säurebetont, zeigt er immenses Potenzial. Er gehört zu den besten der letzten Jahre. Auch der Gräfenberg spielt ganz groß auf. Tiefsinnig, filigran, kühl, dabei druckvoll, präzise wie ein Uhrwerk bis in den langen Nachhall: ein herausragender Rheingau Riesling voll Understatement. Auch der fein abgestimmte Kabinett ist ein archetypischer, kräftiger Vertreter seiner Zunft, ebenso die beiden klaren Spätlesen, von denen die aus dem Turmberg drahtig und kühl ist, die aus dem Gräfenberg saftig und stoffig. Bei den edelsüßen Rieslingen zeigen bereits die Auslesen die Lagenunterschiede auf. Die Turmberg Auslese ist filigran, säurebetont und griffig, die aus dem Gräfenberg deutlich reifer, würzig und lang. Die Turmberg Beerenauslese entwickelt an der Luft herbe, tropische Fruchtaromen, sie ist straff und säurebetont, die vom Gräfenberg konzentrierter und reifer. Die Trockenbeerenauslese aus dem Turmberg ist rauchig im Bouquet, die immense Fülle von getrockneten Früchten wird von einer rasanten Säureader durchzogen. Bei allem Druck bleibt sie sehr filigran. Die Trockenbeerenauslese aus dem Gräfenberg ist deutlich viskoser und vielschichtiger. Ihr etwas geringerer Restzucker bei etwas höherem Alkohol lässt sie vollmundig erscheinen, sie bleibt lang und nachhaltig. Die drei Goldkapselweine aus dem Gräfenberg, die traditionell zur Versteigerung kommen, setzen bei allen Prädikaten noch einmal eine Schippe Präzision zu. Die Auslese ist von purer Eleganz, absolut klar und frisch, endet mit feinster Würze. Auch die Beerenauslese Goldkapsel ist ein feingliedriges Meisterwerk, sie ist druckvoll und tänzelnd zugleich. Den krönenden Abschluss bildet die Goldkapsel Trockenbeerenauslese, deren betörende ätherische Intensität mit absoluter Klarheit, meisterlich vorgetragen ist.* Falstaff Wein Guide Deutschland 2020 *Tja, was soll man sagen: Wenn es einen sechsten Stern gäbe, Wilhelm Weil hätte ihn sich mit dieser Kollektion verdient: Die Süßen deklinieren alle Prädikate rauf und runter, als hätte es in 2018 null Trockenheit oder Hitze gegeben – jeder Wein ist exakt im Fokus, bis hin zur Goldkapsel Trockenbeerenauslese, die man fast wie dickflüssigen Rosinensaft löffeln kann. Am anderen Ende der Qualitätspyramide ist der Gutsriesling unser Falstaff-Tipp: ein schnörkelloser Rheingauer zu fairem Tarif, der sogar noch einen Tick mehr Spannung mitbringt als der feiner gewobene Kiedricher.* Vinum Weinguide Deutschland 2020 *Ein starkes Jahr! Die Palette edelsüßer Spezialitäten aus dem Jahrgang 2018 ist eindrucksvoll. Hier sind Weine von opulenter Frucht, großer Klarheit und feiner Rasse entstanden. Robert Weil führt das nicht zuletzt darauf zurück, dass sich im vollreifen, gesunden Lesegut ein höherer Anteil von Bernsteinsäure bildete. Die analytische Säure ist dann nicht unbedingt hoch, aber der pH-Wert ist niedrig und die Weine zeigen Schliff und Spanngraft. Ein Kennzeichen des Jahres ist es auch, dass sich Botrytis erst spät zeigte, sie dann aber von edler Art war. Ein großartiges Beispiel ist die Gräfenberg Beerenauslese Goldkapsel mit feinster Honignote, herrlichem Saft und schier endloser Länge. Doch was wäre ein solcher Star ohne ein stimmiges Pendant im Basisbereich. Und der 2018er Gutswein besteht diese Herausforderung. Ein kernig-klarer, charaktervoller Rheingauer, der schon ein beachtliches Alterungspotenzial besitzt. Über 30 Jahrgänge konnten wir im letzten Jahr verkosten und wir waren verblüfft über die Frische, mit der viele dieser Weine sich präsentierten. Ausbau-Philosophie Wenn in den letzten 15 Jahren jemand dafür gekämpft hat, das Reifepotenzial trockener Rheingauer Rieslinge einem breiteren Publikum wieder nahzubringen, dann ist es Wilhelm Weil. Der konsequente Aufbau eines großen, neuen Stückfasskellers hat seinen Grund hier. Denn Holz unterstützt die Reifefähigkeit des Rieslings. Eindrucksvoll belegt wird dieses Konzept durch Vertikalproben von Turmberg und Gräfenberg. Gerade hier erkennt man auch, dass nicht unbedingt die Weine aus den großen Jahren die beste Reifeentwicklung zeigen müssen. Der Gräfenberg 2004 präsentiert sich derzeit in einer beeindruckenden Verfassung. Magnumflaschen dieses Weines werden noch in Jahren großes Trinkvergnügen bereiten. Wir erwarten, dass das 2018er Große Gewächs aus dem Gräfenberg diesen Wein langfristig übertreffen wird. Zurzeit wirkt es zwar sehr verschlossen, aber es besitzt Schliff und Tiefe, die einiges versprechen. Nach wie vor gilt, dass es in Deutschland nur wenige Betriebe mit einer solchen internationalen Ausstrahlung und einem so unverwechselbaren Markenkern gibt, wie sie das Weingut Robert Weil besitzt. Das hellblaue Etikett bürgt für den Inhalt der Flasche.* Gault & Millau Weinguide Deutschland 2020 *Wir erinnern uns: Unter dem Titel „Once in a lifetime“ lud das Weingut Robert Weil im August 2018 zu einer mehr als denkwürdigen Probe ein. In der Blindverkostung kamen Rieslinge aus 25 Jahrgängen zum Ausschank. Der jüngste aus 2017, der älteste aus 1992. Dass es sich samt und sonders um Gewächse aus dem Hause Weil handeln würde, war dann auch bereits alles, was den Gästen bekannt gemacht wurde. Und die durften sich durchaus zu geschätzten Kollegen der Szene zählen, als die Spekulationen im Laufe der Probe wild ins Kraut oder besser: von Gräfenberg über Turmberg und Klosterberg hin und her schossen. Wilhelm Weils diebische Freude war jedenfalls ebenso unübersehbar, wie die versammelte Schar aus Weinkennern und –experten zumindest bass erstaunt war, als hinter den verdeckten Weinen Weils Gutswein aus 25 Jahren zum Vorschein kam. Einem Wein, dem gerne und etwas leichtfertig ein generisch-unterkühlter Stil bescheinigt wird, wenn man weiß, dass hinter der vermeintlichen Einstiegsklasse des Weinguts eine Produktion von 500.000 Flaschen per anno steht. Blindproben machen demütig, heißt nicht nur so schön, sondern wurde in dieser Verkostung mehr als eindrücklich unter Beweis gestellt. So gesehen, steckt in Weils Gutsriesling neben einer veritablen Masse auch stets jede Menge Klasse. Das gilt übrigens auch für das Große Gewächs aus dem Gräfenberg, von dem das Weingut jedes Jahr eine stattliche Menge von rund 2500 Flaschen für Verkostungen zurückhält. Apropos Gräfenberg: Der ist auch 2018 wieder vorzüglich gelungen, wenn er vehemente Kraft und massives Extrakt an den Gaumen bringt und von einer grazilen Säure durchzogen wird, dass es die reinste Freude ist. Dabei ist ebenso unverkennbar, wie die Weine aus der Ersten Lage Turmberg von ihrer vergleichsweisen schattigen Ausrichtung besonders in heißen Jahren wie 2018 profitieren. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat sich die Durchschnittstemperatur während der Vegetationszeit von April bis Oktober um fast drei Grad Celsius erhöht. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird der kühlere Turmberg dem allzu sonnenverwöhnten Gräfenberg womöglich schon bald den Rang ablaufen. 2018 sehen wir beide Weine erstmals gleichauf. Wo der Gräfenberg noch gekonnt mit seinen Muskeln spielen kann, brilliert der Turmberg als gestochen scharfer Riesling, wie es nur diese Sorte auf den Gaumen zu bringen vermag. Formidabel! In einen regelrechten Rausch durften wir uns bei den süßen und edelsüßen Kreszenzen verkosten, die das Weingut nun bereits im 30. Jahr ohne Unterbrechung von der Spätlese bis zur Trockenbeerenauslese erzeugt. Im Vergleich zu den trockenen Weinen handelt es sich dabei freilich um homöopathische Mengen, deren Ausdruck, Klarheit und Konzentration von einer schier unfassbaren Pedanterie bei der Selektionsarbeit im Weinberg zeugen. Einmal mehr kommen auch bei diesen Ausnahmeweinen die Lagen deutlich zur Geltung, wenn die aus dem Gräfenberg zu barocker Fülle und jene aus dem Turmberg zu asketischer Schlichtheit neigen. Welcher aromatischen Formensprache man schließlich vollends erliegt, liegt letztlich am Gaumen ihres Zechers. Wir jedenfalls konnten nicht umhin, der Trockenbeerenauslese Goldkapsel aus dem Gräfenberg die Höchstnote zu verleihen und notieren: „Als Konzentrat eines Jahres, eines Berges, einer Entwicklung ist dieser Wein wie sein Brennglas. Einerseits üppig, doch niemals schwülstig, ist ganz im Gegenteil, bei allem Überfluss, stets bei sich.“ Warum das so ist, muss und kann nur an einem Anspruch liegen, der so in dieser Kategorie einmalig sein dürfte.* Falstaff Wein Guide Deutschland 2019 *Die diesjährige Weil-Kollektion ist brillant. Das beginnt mir dem ausgezeichneten trockenen Kiedricher Ortswein, setzt sich fort mit stattlichen Weinen aus den Ersten Lagen Turmberg und Klosterberg und kulminiert in der Treppe der Prädikatsweine aus dem Gräfenberg: nuanciert die Spätlese, samten und reich die Auslese, salzig und dicht die Beerenauslese. Ganz oben, bereits auf Wolke sieben, steht dann noch eine Trockenbeerenauslese, die delikateste Botrytis und eindringliche Mineralität zusammenführt. Wenn dieser Wein keine 100 Punkte verdient hat, welcher dann?* Gault & Millau Weinguide Deutschland 2019 *Wie das Wörtchen „Perfektion“ bei der Güte besonderer Weine zu vollkommenem Ausdruck gelangt, macht heuer die Goldkapsel-Auslese aus dem Kiedricher Gräfenberg deutlich. Derart spannungsgeladen und brillant dürfte ein Wein dieser Prädikatsstufe kaum einem anderen Weingut gelungen sein. Dem Einwand, dass es sich bei dieser seltenen Delikatesse um eine herabgestufte Beerenauslese handele, wird zwar stattgegeben, er ist aber letztlich ohne Belang. Gewiss dürfte der Zuckergehalt der Beeren dafür ausreichend gewesen sein, doch kommt dieser Riesling derart klar, fein und fokussiert daher, dass man in ihm nichts Besseres als eine deliziöse Auslese sehen mag. Freilich hätte man die auch ruhigen Gewissens als Beerenauslese vermarkten können, doch liegt die Messlatte beim Weingut Robert Weil eben auf einer gewaltigen Höhe, die in jedem Jahr aufs Neue zu überspringen, eine gewaltige Herausforderung darstellen muss. Dem eigenen Anspruch dürften Wilhelm Weil und sein Team jedenfalls wieder einmal gerecht geworden sein, wenn ihnen aus einem gewiss nicht einfachen Jahr neben betörenden edelsüßen Spezialitäten auch eindrucksvolle trockene Rieslinge gelungen sind. Wilhelm Weil führt das Kiedricher Weingut nun bereits in der vierten Generation, und er macht alles andere als den Eindruck, sich auf seinen mittlerweile weltweit verbreiteten Lorbeeren ausruhen zu wollen. Als Leuchtturm des Rheingaus hat er in den letzten Jahren erheblich dazu beigetragen, dass die Region aus ihrer Lethargie erwacht und heute drauf und dran ist, wieder zu den besten und spannendsten Anbaugebieten in Deutschland zu gehören. Nebenbei ist Weils eigene Rebfläche mittlerweile auf stattliche 90 Hektar angewachsen. Auf der sind auch 2017 wieder wunderbar klare Rieslinge gelungen. Der trockene Gutswein ist kein preiswerter Einstieg in die Weil´sche Kollektion, jedoch stets eine sichere Bank, bei der etwas mehr anzulegen gewiss kein Fehler ist, auch wenn sich der Kiedricher Riesling bereits deutlich vielschichtiger und mineralischer zeigt. In jedem Jahr spannender gerät der Vergleich zwischen dem Ersten Gewächs Turmberg und dem Großen Gewächs Gräfenberg. Wobei sich ein Vergleich in Sache Güte eigentlich von selbst verbietet, wenn Ersterer vergleichsweise schattig auf Grauschiefer und Letzterer sonnenverwöhnt auf einem Gemisch aus Glimmschiefer und Lösslehm wächst. Dass sich beide Gewächse derart brisant voneinander unterscheiden, ist einerseits ihren ganz unterschiedlichen Terroirs zu verdanken, andererseits ganz sicher aber auch der leidenschaftlichen Arbeit eines Teams, das sich exzellent darauf versteht, die Eigenarten der Lagen in den Weinen zu bewahren. Neben dem Ausbau in Stückfässern und Edelküferei Stockinger aus heimischer Eiche spielt in letzter Zeit auch die Spontangärung eine zunehmend wichtigere Rolle. Wenngleich diese Methode nicht als Heiliger Gral der Erzeugung von Terroirweinen angesehen wird, hat sich der Anteil spontan vergorener Partien bei den Weil´schen Gewächsen in den letzten Jahren dennoch sukzessive erhöht. Und das ist schon allerhand bei einem Weingut, das bis zum Anfang der 2000er-Jahre kein einziges Holzfass mehr besaß, weil es voll und ganz auf Edelstahl im Keller setzte und mit einem Weinstil reüssierte, den man rückblickend und etwas süffisant als aseptisch beschreiben könnte. Dabei sind die Weine ihrem präzisen Charakter bis heute treu geblieben, legten gleichzeitig jedoch vor allem im trockenen Spitzensegment stets ein Quäntchen Mut und Würze zu, die umso besser zur Geltung kommen, je reifer die Weine werden.* Gerhard Eichelmann Deutschlands Weine 2019 *Gegründet wurde das Weingut von Robert Weil, der 1867 die ersten Weinberge im Kiedricher Berg kaufte und 1875 mit dem Erwerb eines Anwesens in Kiedrich das Weingut gründete, das auch heute noch seinen Namen trägt. Seit 1987 wird es in vierter Generation von Wilhelm Weil geführt, der in Keller und Weinberge investierte. Die Weinberge liegen in Kiedrich, wo Wilhelm Weil sich in den letzten Jahren verstärkt in den „Berglagen“ engagierte. Das Weingut besitzt seit langem den größten Teil des Kiedricher Gräfenberg, der Paradelage des Betriebes. Der Kiedricher Turmberg gehört dem Weingut im Alleinbesitz. Diese Lage, die früher Spitzenweine hervorbrachte, wurde im Zuge des 1971er Weingesetzes abgeschafft, doch sie erbrachte in den Jahrzehnten zuvor Spitzenweine, seit 2005 gibt es nun wieder Turmberg-Rieslinge, die Lage wurde offiziell in die Lagenrolle eingetragen – als erste neue Lage im Rheingau seit Verabschiedung des Deutschen Weingesetzes. Mit dem Jahrgang 2007 kam ein weiterer Lagenwein hinzu, derjenige aus dem Klosterberg, der höchstgelegenen Kiedricher Einzellage. Das Weingut baut zu 100 Prozent Riesling an. In diesen Berglagen reifen die Weine sehr lange am Stock, sie werden meist drei bis vier Wochen später geerntet als in den direkt am Rhein gelegenen flacheren Lagen. Nach etwa achtzehnstündiger Sedimentation werden die Moste recht zügig vergoren und mit nur einer Filtration relativ früh gefüllt. Das trockene Segment ist gegliedert in Gutsriesling, Kiedricher Riesling, die beiden Lagenrieslinge aus Turmberg und Klosterberg (beide als Erste Lagen klassifiziert) sowie das Große Gewächs aus dem Gräfenberg. Mit edelsüßen Weinen hat Wilhelm Weil dem Weingut in den neunziger Jahren zu weltweitem Renommee verholfen. Fast in jedem Jahr wird eine Vielzahl an edelsüßen Rieslingen bis hin zur Trockenbeerenauslese erzeugt, aus dem Gräfenberg, aber auch aus dem Turmberg. 2015 wurde der mitten in Kiedrich gelegene Keller erweitert und modernisiert. Kollektion Auch 2017 wurde bei Weil wieder alles geerntet, von Auslese und Beerenauslese bis hin zur Trockenbeerenauslese. Man pflegt dieses Image ja auch. Und natürlich sind diese edelsüßen Spitzen großartig, auch wenn die Menge nicht allzu groß sind. Was uns besonders Spaß macht im Jahrgang 2017 bei Weil, das sind die Basisweine. Der trockene Liter-Riesling zum Beispiel, fruchtbetont, frisch, reife Frucht, das passt. Der Gutsriesling in der Dreiviertel-Literflasche ist feiner, ist klar und geradlinig: Für uns aber kann´s auch der Liter-Riesling sein. Der Kiedricher Ortswein ist geradlinig, zupackend, besitzt reintönige Frucht, feine Frische und Grip. Der Klosterberg dann ist kraftvoll, würzig, zupackend, für uns bis dato der beste trockene Wein aus dem Klosterberg. Bei einem Besuch vor Ort hatten wir die Gelegenheit alle Weine zu verkosten, die bisher aus dem Klosterberg erzeugt wurden, seit es 2007 den ersten trockenen Klosterberg-Riesling gab. Das Ergebnis? Nun klar, der Klosterberg ist die Nummer Drei unter den Weil´schen Berglagen, hinter Gräfenberg und Turmberg. Die trockenen Weine präsentieren sich wie in der ursprünglichen Verkostung, 2009 verbessert, 2010 schwächer. Auch bei Spätlese und Auslese lassen die 2010er etwas nach, die anderen Jahrgänge präsentieren sich stabil. Zurück zum aktuellen Jahrgang. Der Turmberg präsentiert sich klar, geradlinig, zupackend, spannend, jugendlich. An der Spitze der trockenen Rieslinge steht wie gewohnt der Gräfenberg, zeigt viel Konzentration, feine Würze, ist klar und präzise im Mund, frisch und zupackend bei guter Fülle und Substanz. Den restsüßen Reigen eröffnet der frische, lebhafte Kabinett, die gewürzduftige Turmberg-Spätlese bleibt kompakt, auch die duftige Gräfenberg-Spätlese will sich nicht öffnen. Die Auslesen sind stoffig und konzentriert, Turmberg recht würzig bei ganz dezenter Honignote, Gräfenberg stoffiger, die Goldkapsel-Auslese aus dem Gräfenberg ist faszinierend reintönig. Die Turmberg-Beerenauslese ist konzentriert, klar, die Gräfenberg-Beerenauslese deutlich würziger, die Goldkapsel-Beerenauslese zeigt kandierte Früchte, Rosinen, noch mehr Konzentration und Substanz besitzen dann die Trockenbeerenauslesen, die beide enorm konzentriert und dick sind: Beeindruckende Weine.* Vinum Weinguide Deutschland 2019 *Ein durchwachsenes Jahr für dieses eindrucksvolle Kiedricher Gut. Die edelsüßen Spitzen sind so großartig wie eh und je, allen voran die opulent-klaren, vor Frucht überströmenden Trockenbeerenauslesen oder die herrliche Goldkapsel Beerenauslese mit ihrem sublimen Noten von Zitrus und Waldhonig. Aber schon Spät- und Auslese aus dem Gräfenberg haben für uns nicht ganz den Schliff und die Klasse der Vorjahre. Und bei den trockenen Rieslingen gibt es manch ungewohnte Herbe zu konstatieren. Das Große Gewächs aus dem Gräfenberg bietet im Duft feine Apfel- und Zitrusnoten, ist kernig-klar, gut strukturiert, im Nachhall aber für uns einen Tick ungeschliffen. Gewiss das ist immer noch auf sehr hohem Niveau, aber nach unserem Empfinden eben nicht mehr ganz an der Spitze. Dabei gilt nach wie vor, dass es in Deutschland nur wenige Betriebe mit einer solchen internationalen Ausstrahlung und einem so unverwechselbaren Markenkern gibt, wie sie das Weingut Robert Weil besitzt. Welche jahrgangsbedingten Unterschiede es auch immer geben man, das hellblaue Etikett bürgt für den Inhalt der Flasche. Reifepotenzial Wenn in den letzten 15 Jahren jemand dafür gearbeitet, ja gekämpft hat, das Reifepotenzial trockener Rheingauer Rieslinge einem breiteren Publikum wieder nahezubringen, dann ist es Wilhelm Weil. Gewiss, eine kleine Schar von Kennern hatte dieses Wissen nicht verloren, aber für die meisten Weinfreunde war das kein Thema mehr. Auch der konsequente Aufbau eines großen, neuen Stückfasskellers hat damit zu tun. Denn Holz unterstützt die Reifefähigkeit des Rieslings. Eindrucksvoll belegt wird dieses Konzept durch Vertikalproben von Turmberg und Gräfenberg. Gerade hier erkennt man auch, dass nicht unbedingt die Weine aus den großen Jahren die beste Reifeentwicklung zeigen. Der Gräfenberg 2004 präsentiert sich derzeit in einer beeindruckenden Verfassung. Magnumflaschen dieses Weines werden noch in Jahren großes Trinkvergnügen bereiten. Der 2013er könnte es ihm gleichtun. Der Turmberg zeigt seine Klasse hingegen gerne in reifen Jahren wie 2009 und 2011. Aber auch der Gutswein zeigt schon ein beachtliches Alterungspotenzial. Über 30 Jahrgänge konnten wir verkosten. Und ja, wir waren verblüfft über die Frische, mit der viele dieser Weine sich präsentierten.*

  • gegründet:
    1875
  • bewirtschaftete Fläche:
    75 ha
  • Mitgliedschaft/Verbände:
    VdP, Charta Rheingau
  • Kellermeister/-in:
    Christian Engel, Fabian Kretschmer
  • Besitzer:
    Suntory
  • Webseite
    www.weingut-robert-weil.com
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