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Château Figeac

33330, Saint-Emilion, F

Unweit des Stadtzentrums von Libourne, etwa 6 km östlich gelegen, liegt das Château Figeac. Die Weinberge befinden sich in der AOC St. Emilion, an der Grenze zur AOC Pomerol. Der Bodentyp ähnelt dem von Pomerol zum Teil schon sehr. Es sind Schwemmböden, die aus dem Zentralmassiv stammen und von den Flüssen abgelagert wurden. Dieser Vorgang fand im Quartär, dem jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte statt. Die tiefgründigen Kies- und Sandböden sind karg und mineralarm. Die Reben müssen sich hier anstrengen und tiefe Wurzeln bilden, um an ausreichend Nahrung zu kommen. Das begünstigt eine natürliche Konzentration und niedrige Erträge. Durch die hellen Kieselsteine wärmt sich der Boden im Frühjahr schnell auf und speichert die Wärme – eine ideale Umgebung für spätreifende Sorten, denn sie können ausreifen und zu einem perfekten Zeitpunkt gelesen werden. Einen Reifestopp wegen Wasserstress kennen die Trauben hier nicht. Der Boden bietet eine gute Drainage, lässt den Wurzeln aber immer noch genügend Wasser zur Versorgung. Das Terroir ist auch der große Schatz von Château Figeac. Dieses Potenzial war wohl schon in grauer Vorzeit bekannt, denn die Wurzeln von Figeac gehen auf das 2. Jahrhundert n. Chr. zurück. Damals besaß die Familie Figeacus eine Villa im gallo-römischen Stil und weiteren Grundbesitz an der Stelle des heutigen Château. Diesem Anwesen gaben sie ihren Namen. Historiker sind der Überzeugung, dass die Familie auch der Ursprung und Namensgeber des heutigen Ortes Figeac ist, obwohl der Ort etwa 260km östlich des Weingutes liegt. Im 15. Jahrhundert war die Familie Lecours Eigner von Figeac. Sie besaßen damals auch noch Château Ausone. Im 16. Jahrhundert übernahm die Familie Cazes (damals auch de Cazes) die Geschicke auf Château Figeac. 1586 ließ Raymond de Cazes das Anwesen im Renaissance- Stil wieder aufbauen, nachdem es in den Religionskriegen (1562 bis 1598) abgebrannt war. Noch heute sind Teile davon erhalten. Ein Jahrhundert später ging das Weingut durch die Heirat von Marie de Caze in den Besitz von Familie Carles über. Durch ihren ausgeprägten Geschäftssinn konnten sie einen Kundenstamm in Paris und in Nordeuropa aufbauen.

Man sagt ihnen auch eine aktive Beteiligung an der Entwicklung des modernen Weinbaus im Libournais nach. Das 18. Jahrhundert brachte viele Veränderungen mit sich. Die Herzogin de Carles-Trajet musste wegen einer Wirtschaftskrise als Folge der Kontinentalsperre Ländereien verkaufen. 1832 mussten zuerst die Parzellen von Cheval blanc, die damals zum Besitz von Figeac gehörten, verkauft werden. Dann, sechs Jahre später, wurden Figeac und die restlichen dazugehörenden 130 Hektar verkauft. In den nächsten 50 Jahren wechselte das Weingut ganze sieben Mal seinen Besitzer. Erst im Jahre 1892 kauften die Vorfahren der Familie Manoncourt das Herzstück des Besitzes; damit kehrte wieder mehr Ruhe ein, und eine neue Ära brach an. Der später sehr bekannte Weinmacher Thierry Manoncourt (1917-2010) vinifzierte 1943 seinen ersten Jahrgang. Der junge Mann erkannte das Potenzial des Terroirs und bedrängte seine Mutter, das Weingut zu behalten. Vier Jahre später beendete er sein Studium als Agraringenieur und ließ sich auf Château Figeac nieder. Seither hat das Weingut eine große Entwicklung durchlaufen. 1971 wurden ein neuer Weinkeller sowie ein neuer Fasskeller gebaut. Zeit seines Lebens war Thierry Manoncourt auch als Botschafter seiner Weine in aller Welt unterwegs. Als er 2010 stirbt, übernehmen seine Frau und die Töchter die Leitung des Unternehmens. Frédéric Faye, der schon 2002 als Außenbetriebsleiter in Figeac anfing, ist heute ebenfalls eine wichtige Person im Management. Er bekleidet die Position des Gesamtverantwortlichen für Kellerei und Weinberg. Seit 2013 zeichnet Jean-Valmy Nicholas für die Marketingstrategie und Aktivitäten des 54 Hektar großen Weingutes verantwortlich. Von diesen 54 Hektar entfallen 40 Hektar auf die Weinberge und 14 Hektar auf Wirtschaftsflächen, Wiesen, Brücken etc. Die Bepflanzung ist mit 30% Merlot, 35% Cabernet franc und 35% Cabernet Sauvignon etwas ungewöhnlich, da der Anteil an Cabernet franc vergleichsweise hoch ist. Das hängt wiederum mit der Bodenbeschaffenheit zusammen, wie eingangs erwähnt. 1955 wurde Château Figeac als Premier Grand Cru "B" klassifiziert. Dem Boden wird auch hier große Aufmerksamkeit zuteil. Die Parzellen werden Stück für Stück analysiert, teilweise werden kleine Stücke aus den Parzellen einzeln gelesen und auch vinifiziert. Platz dafür bieten die konischen Eichenholz- und Edelstahltanks mit einer Größe von 15-160 Hektoliter, je nach Bedarf. Vom Grand Vin werden etwa 100.000 Flaschen pro Jahr hergestellt, vom Zweitwein „Petit Figeac“ werden etwa 40.000 Flaschen gefüllt. Trotz seiner vielen Bemühungen um Figeac scheiterte Thierry Manoncourt an seinem größten Vorhaben: Premier Grand Cru "A" werden.

  • gegründet:
    2. Jahrhundert n. Chr.
  • bewirtschaftete Fläche:
    40ha (unter Reben)
  • Mitgliedschaft/Verbände:
    UGCB
  • Besitzer:
    Famillie Manoncourt
  • Webseite
    www.chateau-figeac.com