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Château La Tour Carnet

Route de Beychevelle, 33112, Saint-Laurent Médoc, F

Wenn man auf der D-101 (Départementstraße), vom Städtchen Saint-Laurent-Médoc ausgehend, in Richtung des Flusses fährt, passiert man die Einfahrt des Château La Tour Carnet rechterhand, die nächste Einfahrt ist die des Château Lagrange, allerdings schon auf der Gemarkung der Gemeinde Saint-Julien-Beychevelle. Die beiden Weingüter trennen nur die Gemeindegrenze und ein kleines Flüsschen. La Tour Carnet weist einen Flickenteppich aus unterschiedlichen Bodentypen auf. Die 48 Hektar Anbaufläche sind auf einem kleinen Hügel und seine Hänge verteilt. Bodenanalysen ergaben, dass sowohl Sand-Kiesböden als auch Sand-Lehm; und Kalk-Lehmböden das Terroir von La Tour Carnet bilden. Auf dem östlichen Teil der Anbaufläche liegen außerdem Kies-Hänge mit Günzian Kies, wie er auch in Paulliac und St. Julien vorkommt. Wie der Name schon sagt, ähnelt das Weingut eher einer Burg als einem lieblichen Château, denn der beeindruckende rechteckige Turm, der früher sogar eine Zugbrücke besaß, sieht sehr wehrhaft aus. Das Gebäude blickt auf eine reiche, lebendige Geschichte zurück, die bis ins 11. Jahrhundert zurückgeht. Seit dem 12. Jahrhundert war das Anwesen bewohnt, es wurde damals Château Saint-Laurent genannt. Eine interessante Geschichte, die im 13. Jahrhundert ihren Lauf nimmt, gibt es zu erzählen, als das Anwesen dem Haus „de Foix“ gehörte, die Anhänger des Königs von England waren. Im Jahre 1451 kapitulierte Bordeaux vor dem französischen König. Jean de Foix aber weigerte sich, die neuen Machtverhältnisse anzuerkennen. Es folgte eine unglückliche Phase mit einigen militärischen Scharmützeln. Als Jean de Foix, immer noch ungebeugt, starb, sollte sein treuer Rittmeister Carnet seinen letzten Willen vollstrecken. Um 1486 wurden die Aufständischen schließlich besiegt. Das Anwesen wurde auf den Befehl der französischen Krone teilweise zerstört, aber der Name des tapferen Rittmeisters blieb erhalten. Nach dieser Ära folgten viele verschiedene Besitzer, unter anderem Thibault de Carmaing, ein Schwager von Michel de Montaigne, der 1581 Bürgermeister von Bordeaux war.

Aus dem 18. Jahrhundert ist bekannt, das auf La Tour Carnet bereits der Rebenrückschnitt und eine leichte Düngung der Weinberge praktiziert wurden. Während der französischen Revolution bewahrte ein glücklicher Zufall das Weingut vor allzu großer Zerstörung. Das Weingut gehörte zu dieser Zeit dem deutschstämmigen Charles de Luetkens, und der Besitz von Ausländern war nicht Bestandteil der Revolutions-Gesetze. Im Jahr 1855 wurde La Tour Carnet erfolgreich als 4ème Grand Cru klassifiziert, auch damals noch unter der Leitung der Familie de Luetkens. Es folgte eine turbulente Zeit: die Reblausplage und das Auftauchen des echten Mehltaus sowie im 20. Jahrhundert die beiden Weltkriege beutelten das Weingut enorm. In den 1960er Jahren kaufte Louis Lipschitz La Tour Carnet und baute es wieder auf, seine Tochter Marie-Claire führte seine Arbeit nach seinem Tod fort. 1999 übernahm Bernard Magrez das Weingut und führte es zu altem Glanz. Der Unternehmer, der in Frankreich und auf der ganzen Welt Weingüter besitzt, nahm umfassende Modernisierungen vor. Die Weinbereitung erfolgt nach dem Prinzip der Schwerkraft, die Maische wird manuell statt maschinell untergemengt um eine bessere, sanftere Extraktion der Tannine und Farbstoffe zu gewährleisten. Die alkoholische Gärung findet in Holztanks statt, die Lagerung in bis zu 50% neuen Fässern. La Tour Carnet produziert den Zweitwein „Les Douves de Carnet“.

  • bewirtschaftete Fläche:
    75 Hektar
  • Mitgliedschaft/Verbände:
    UGCB
  • Besitzer:
    Bernard Magrez
  • Webseite
    www.bernard-magrez.com