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Château Latour

Saint-Lambert, 33250, Pauillac, F

Die Appellation Pauillac ist die Gemeindeappellation mit dem wahrscheinlich höchsten Prestige, denn sie beinhaltet drei der fünf Premier Grand Cru Weingüter des Bordeaux. Pauillac liegt auf der linken Seite des Bordelais, direkt an den Ufern der Gironde. Man sagt, dass die besten Weinberge in Sichtweite der Gironde liegen. Aber nicht nur die Weinberge mit Blick aufs Wasser machen die Größe von Château Latour aus. Es ist auch der Boden, der aus angeschwemmtem Ton-Kies von den Pyrenäen und dem Massif Central auf einer Mergel-Unterlage besteht. Die Kiesschicht macht 50-80% aus, je nachdem wie hoch die Parzelle liegt. Auch findet man Anteile von kiesigem Sand und Tonmergel an anderen Stellen der Weinberge, die auf Latour insgesamt 78 Hektar groß sind. Das wellige Landschaftsbild wird von sanften Kuppen geprägt, bei Latour ist es eine Erhebung von gerade mal 16 Metern, die dem Terroir ihren Stempel aufdrückt. Die milden, nassen Winter und die heißen Sommer, in denen bis Mitte Juli immer wieder Regen fällt, lassen die Notwendigkeit von guter Drainage und Wasserabfluss erkennen. Ab Juli werden die Regenfälle weniger und im August sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht deutlicher, was wichtig für die Traubenreifung ist. All diese Eigenschaften machen ein außergewöhnliches Terroir aus, welches bei Château Latour wahrscheinlich noch ein Quäntchen besser ist als bei seinen Nachbarn. Latour hat eine lange und besonders gut dokumentierte Geschichte mit einer ersten Erwähnung im Jahre 1331. Damals erteilte ein Lord Pons eine Erlaubnis für Gaucelme de Castillon, einen Festungsturm in den Ländereien von Saint Maubert zu bauen. Danach war Latour eine gemeinschaftlich geführte Herrschaftsländerei, dessen Mitbesitzer eine Pacht von den Bauern erhielten, die das Land bewirtschafteten.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen waren aber bei weitem nicht alle mit Weinreben bepflanzt. Es gab auch keine ordentliche Lagermöglichkeit für den Wein, so dass er meist innerhalb des Jahres nach der Lese verbraucht werden musste. Bis ins späte 17. Jahrhundert hinein führte die Familie Mullet Latour, die Nutzung gepachteter Flächen ließ nach und die direkte Bewirtschaftung nahm zu. An der Situation für den Weinbau änderte sich aber wenig. Erst im frühen 18. Jahrhundert nahm die Geschichte um Château Latour eine Wendung. Kurz vor seinem Tod kaufte Alexandre de Ségur das Anwesen. Sein Sohn Nicolas-Alexandre, der Präsident des Bordelaiser Parlaments war, erweiterte die Ländereien 1718 mit dem Kauf von Mouton und Calon. Der Handel von und nach Bordeaux stieg rasant an und die Preise für Wein von Latour erhöhten sich folglich ebenfalls drastisch. Während der chaotischen Zeit der Französischen Revolution konnte das Weingut unter einigen Schwierigkeiten vor Zerstörung und Aufteilung bewahrt werden. Es blieb weiterhin in den Händen der Familie Ségur. Allerdings stellten sich durch genau diesen Umstand neue Probleme ein, denn die Anzahl der Mitbesitzer stieg durch Vererbung immer weiter an. Das führte dazu, dass 1842 alle Besitzer in einer Gesellschaft zusammengefasst wurden. 1855 wurde das Weingut in die höchste Kategorie der Klassifikation eingestuft und darf sich seitdem Premier Grand Cru nennen. Bis 1962 bestand die Gesellschaft ausschließlich aus Mitgliedern der Familie Ségur. Die immer kleiner werdenden Anteile führten dazu, dass viele davon verkauft wurden. Die Finanzgruppe Pearson wurde Hauptanteilseigner mit 53%. Erst 1993 kaufte François Pinault den Anteil der Investoren auf, Latour wurde wieder französisch. In den späten 90er Jahren wurde Frédéric Engerer zum Präsidenten ernannt, eine Funktion, die er bis heute bekleidet. Danach starteten großangelegte Umbauarbeiten, die bis 2003 dauern sollten. Dabei wurden das Weingut, der Gärkeller, die Kellerei und die Lagerräumlichkeiten komplett renoviert. Auch das Haupthaus erhielt ein neues architektonisches Design. Latour beschäftigt 60 Angestellte, von denen manche schon seit Generationen auf dem Weingut arbeiten. In den Weinbergen steht ein sehr hoher Anteil Cabernet Sauvignon (80%), gefolgt von Merlot (18%). Ein kleiner Anteil von Cabernet franc und Petit Verdot (2%) runden das Bild ab. Château Latour stellt drei Weine her: den Grand Vin, der nur von alten Reben kommt und aus dem Herzstück des Anwesens, genannt L’Enclos, stammt. Das sind die 47 Hektar Rebfläche, die direkt um das Château herum liegen. Der Zweitwein nennt sich „Les Forts de Latour“ und existiert unter diesem Namen seit 1966. Er lagert in bis zu 50% neuen Fässern, und weist einen höheren Anteil an Merlot auf. Der Drittwein heißt „Le Pauillac de Château Latour“, er stammt hauptsächlich von Parzellen außerhalb des Enclos und von jungen Reben. Seit 1990 wird er jedes Jahr vinifiziert. Um Fälschungen vorzubeugen und eine bessere Nachvollziehbarkeit für den Verbraucher zu erreichen, arbeitet Latour mit einem Siegel, das eine nicht fälschbare Nummer enthält. Durch diese Nummer kann man per Smartphone oder PC seine Flasche Latour bis ins Detail zurückverfolgen.

  • gegründet:
    ab dem 18. Jahrhundert als Weingut
  • bewirtschaftete Fläche:
    78ha
  • Besitzer:
    Francois Punault
  • Webseite
    www.chateau-latour.com