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Château La Fleur de Boüard

12 Bertineau, 33500, Néac, FR

Auf dem sogenannten rechten Ufer des Bordelais, also auf der Seite des Libournais mit seinen bekannten Appellationen St. Emilion und Pomerol, reihen sich noch mehr, meist unbekanntere AOC-Gebiete aneinander. Direkt nördlich von Pomerol liegt zum Beispiel Lalande-de-Pomerol, welche 1936 ihren AOC Status verliehen bekam. Wie der Name schon erkennen lässt, ist die Appellation mit dem Namenszusatz ihrer großen Schwester Pomerol versehen. Oft wird in Fachbüchern oder Weinführern diese Art von Appellationen als Satellitenappellation bezeichnet. Wer nun allerdings glaubt, die Winzer in Lalande-de-Pomerol würden ausschließlich um die bekanntere Namensvetterin kreisen, tut ihnen Unrecht. Auch hier haben sich mehr und mehr ernstzunehmende Weingüter entwickelt, manche können auch mit den großen Weinen der Nachbarappellationen mithalten. Zu einem häufig wesentlich verträglicheren Preis versteht sich. Wer also einen Wein genießen möchte, der an ein großes Niveau heranreicht, aber vielleicht aus einer nicht ganz so prestigeträchtigen Appellation kommt, sollte sich das Château La Fleur de Boüard genauer ansehen. An Erfahrung und Fachwissen ist das Weingut exzellent aufgestellt. 1998 kaufte Hubert de Boüard de Laforest das Anwesen von einem französischen Versicherungskonzern. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde es La Fleur de Saint Georges genannt. Hubert de Boüard ist Weinkennern kein Unbekannter. Die Familie besitzt auch das Château Angélus in St. Emilion. Allerdings ist de Boüard kein Investor der neuen Art. Seine Familie bewirtschafte Angélus bereits seit acht Generationen, er selbst und seine vier Kinder sind auf Angélus geboren. Der Grandseigneur glaubt an das Terroir des neuen Weingutes in Lalande-de-Pomerol. Die Weinreben stehen auf einem heterogenen Boden, der neben Lehm- auch Kies- und Sandanteile beinhaltet. Das milde Klima begünstigt eine frühe Rebblüte; daraus soll auch der Name des Weingutes „La Fleur“ entstanden sein. Hubert de Boüard ist neben seiner Tätigkeit auf Angélus auch als önologischer Berater tätig, seine Tochter Stéphanie führt mittlerweile das Tagesgeschäft auf Angélus. Seine zweite Tochter Coralie leitet Château La Fleur de Boüard mit der Hilfe ihres Bruders Matthieu.

Coralie studierte internationalen Handel, um sich dann bei verschiedenen Weinhändlern weiterzubilden. Sie kümmert sich seit 2014 um die wirtschaftlichen und vertrieblichen Belange von La Fleur. Matthieu unterstützt den technischen Direktor Philippe Nunes. Ganze 12 Jahre dauerte es, bis Hubert de Boüard die Weinberge so umgestaltet hatte, dass sie sich für ein nachhaltiges und langfristig ausgelegtes Familienunternehmen eigneten. Die Vision, große Lalande-de-Pomerol Weine zu erzeugen und der Glaube an das Terroir ließen ihn das Unternehmen unermüdlich vorantreiben. Heute sind die Anbauflächen mit 80% Merlot, 15% Cabernet franc und 5% Cabernet Sauvignon bestockt. Die Modernisierung gipfelte in einem kompletten Neubau der Keller, für den er den Architekten Arnaud Boulain verpflichtete, der auch schon die Keller von Angélus entworfen hatte. Herausgekommen ist eine nach eigener Aussage einmalige Kellerei, mit viel Glas und Kupfer. Von innen wahnsinnig schick, von außen eher zurückhaltend, nimmt man die Kellerei von Cheval blanc als Vergleich. Ein Highlight sind sicherlich die 32 konischen, von der Decke hängenden Edelstahltanks in unterschiedlichen Größen. Pumpen werden bei diesem Design überflüssig, alles wird der Schwerkraft bzw. dem Aufzug überlassen, der von der Kellerei in den Fasskeller fährt. Auch bei anderen technischen Innovationen scheute de Boüard keine Kosten, und so gehört das Weingut mit seinem Analyse-Labor sicherlich zu den am besten ausgestatteten Gütern in der AOC und auf dem gesamten rechten Ufer. Trotz der vielen Technik, der Analysen und der akribischen Studien im Weinberg hat sich die Familie eine enge und nachhaltige Beziehung zu der Gegend erhalten, aus der sie stammt. Der Grand Vin nennt sich klassisch La Fleur de Boüard und ist in bis zu 75% neuen Fässern ausgebaut. Etwas Besonderes ist der Le Plus de La Fleur de Boüard, ein reinsortiger Merlot von alten Reben, der im ersten Jahrgang 2000 von Robert Parker mit 99/100 Punkten bewertet wurde. Der Zweitwein namens Le Lion de La Fleur de Boüard wird seit 2011 vinifiziert. Der Wein kommt von jungen Reben und wird in 15% neuen Fässern ausgebaut.

  • gegründet:
    1998 (unter heutiger Leitung)
  • bewirtschaftete Fläche:
    20ha
  • Kellermeister/-in:
    Philippe Nunes & Michel Rolland (beratend)
  • Besitzer:
    Hubert de Bouard de Laforest
  • Webseite
    www.lafleurdebouard.com